1. Mai

Zum 1. Mai

Perspektiven aus der Krise

Angesichts der Corona-Krise rücken viele Maßnahmen und Ideen zur Gestaltung der Arbeit von BÜNDNIS 90/Die Grünen nun auch in den Fokus. Unter der Perspektive der derzeitigen Einschnitte und Verfügungen fordert der Kreisvorstand der GRÜNEN in Pinneberg eine breitere Debatte zu den zukünftigen Herausforderungen der Arbeitswelt und der daran gekoppelten sozialen Sicherungssysteme. Kreissprecher Jens Herrndorff sieht im Kreis Pinneberg viele Beispiele, an denen sich dies feststellen lässt: „Im Kreis Pinneberg haben wir eine große Bandbreite an Berufsgruppen und Arbeitsbedingungen – gerade im Moment spüren wir, dass sich für die einen schnell Lösungen finden, während andere durch die Netze zu fallen drohen.“

Dazu zählt Herrndorff etwa die vielen Soloselbstständigen im sozialen Bereich, in der IT, im Tourismus, an Museen oder Universitäten und Menschen, die Kurse im Offenen Ganztag anbieten oder an Volkshochschulen lehren. Sie alle können sich nur schwer gegen Arbeitslosigkeit und Altersarmut versichern und sind durch private Krankenkassen zur Zahlung hoher Beiträge verpflichtet, unabhängig von kurzzeitigen Einnahmeverlusten.

„…BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern schon seit vielen Jahren die Einführung einer Bürgerversicherung, die eine strukturelle Benachteiligung von Startups, Kreativen und Soloselbstständigen verhindern und zugleich Mut machen soll, neue, zukunftsweisende Konzepte, Wirtschafts- oder Unternehmensformen zu etablieren“, so Herrndorff.

v.l.n.r. Andrea Dreffein-Hahn (Beisitzerin im Kreisvorstand), Nadine Mai (Jugendpolitische Sprecherin), Christine Herde-Hitziger (Beisitzerin im Kreisvorstand)

Für andere Soloberufe, wie die Tagespflege, kann der Kreis selbst Verantwortung übernehmen, ergänzt die Jugendpolitische Sprecherin der Kreistagsfraktion, Nadine Mai: „Die Tagespflege unterstützt der Kreis Pinneberg derzeit mit einer 60-tägigen bezahlten Ausfallzeit. In diesen sind Fehltage durch Krankheit und Urlaub aber schon inbegriffen. Das Risiko, dass sich durch weitere Schließungen bei den Betroffenen Defizite aufbauen und ihre eigene Vorsorge gefährden, ist hoch. Durch politische Beschlüsse muss diese Unsicherheit zukünftig weiter abgebaut werden, denn eine gute Kinderbetreuung ist unter Existenzsorgen schwer zu gewährleisten.“ Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird in der Krise durch Kita- und Schulschließungen extrem auf die Probe gestellt. Gleichzeitig sehen wir, wie groß die – bislang ungenutzten – Spielräume für diese Vereinbarkeit sind. Die Digitalisierung von Arbeit und Meetings, Homeoffice-Möglichkeiten und flexible Modelle könnten in Zukunft den Alltag vieler Familien entzerren. Positive Folgen sehen die GRÜNEN auch darin, dass sich weitere Aufgaben, sich etwa im Sportverein oder anderen Ehrenämtern zu engagieren, im Rahmen flexiblerer Arbeitszeitmodelle besser integrieren.

 

Für Gewerkschafterin Andrea Dreffein-Hahn, die dem Kreisvorstand von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN seit letztem Jahr angehört, sollte der 1. Mai aus der Krise betrachtet, zu einem Umdenken bei der Anerkennung von Berufen führen. „Corona öffnet uns endlich die Augen, welche Bedeutung bestimmte Berufe haben. Doch oft haben gerade die ‚systemrelevanten‘ Gruppen keine guten Tarifverträge, die diese Relevanz auch widerspiegeln. Es muss daher ein Ziel sein, dass es für die Berufe, die für die Gestaltung unseres Alltags essentiell sind, eine wertschätzende monetäre Anerkennung gibt. Man muss, aber man darf dabei nicht nur über Pflege sprechen: Denn auch Menschen im Reinigungsdienst, der Müllabfuhr, in der Logistik, im Einzelhandel, in der Kita, in der Schule, in der Landwirtschaft und in weiteren Bereichen müssen zur Daseinsvorsorge zugezählt werden“, so Dreffein-Hahn.

 

In der Krise zeige sich zudem, dass für Frauen noch immer besondere Herausforderungen bestehen. Diesen Blickwinkel betont Christine Herde-Hitziger, Supervisorin und Coach, die dem Grünen Vorstand schon drei Jahre angehört: „Zwar teilen sich viele junge Familien die Betreuung und Hausarbeit, der Blick in die aktuelle Statistik aber zeigt:  Frauen leisten 52% mehr Care-Arbeit als Männer und arbeiten täglich durchschnittlich 4,5 Std. unbezahlt. Wie ihr Einkommen nach der Geburt des ersten Kindes dramatisch absinkt (um 60%), so schmilzt auch die soziale Sicherung und die Rente. Wer Angehörige pflegt, arbeitet oft unter kaum zumutbaren Arbeitsbedingungen, erkrankt öfter an Depressionen und trägt zur Zeit ein erhöhtes Infektionsrisiko.“

 

Insofern sollte der 1. Mai stets auch ein Tag sein, an dem die Frage der Arbeit sich eng mit der Frage nach Gerechtigkeit verknüpft. Dieses Diktum ist auch als Leitmotiv im neuen Grundsatzprogramm der Partei vorgesehen. Gerade in der aktuellen Corona-Krise zeigt sich, dass die bisherigen Verteilungsmechanismen neu bewertet und die Gerechtigkeit im Land und in der Welt hinterfragt werden müssen.

 

Kreisvorstand Pinneberg

Bündnis 90/Die Grünen

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