Landwirtschaft Vermarktung Regionales

Stärkung regionaler Vermarktung zentral für die Agrarwende

Besuch in Appen auf dem Almthof, 21.09.2020

Die Auseinandersetzung mit Lebensmittelerzeugung und deren Wertschätzung ist ein Thema, das die Kreisgrünen intensiv beschäftigt.  Der Kreisverband nimmt dazu in regelmäßigen Abständen Termine wahr. Im Vorfeld eines Mitgliederaustausches in Appen haben wir uns auf dem Almthof über die aktuellen Herausforderungen für Landwirtinnen und Landwirten informiert.

Ressourcenschonung, Naturverträglichkeit und Tierwohl sollen die Säulen einer nachhaltigen Landwirtschaftspolitik bilden. Nicht minder wichtig ist uns die Stärkung bäuerlicher Strukturen und die Schaffung regionaler Wertschöpfungsketten. Auch die Landwirte im Kreis Pinneberg müssen zunehmend Antworten auf den Strukturwandel in ihrer Branche finden. Insbesondere die Milchbauern, die stark von EU-Zuschüssen und auskömmlichen Erzeugerpreisen abhängen, stehen im Fokus dieser Entwicklung. Auch wenn vereinzelt Landwirte kreative Lösungen finden und sich, wie im Falle des Almthofs, durch Direktvermarktung und als Erlebnishof neue Erlösquellen erschließen, kann dies nicht der Weg für eine zukunftsfähige Landwirtschaft sein.

Kleine Betriebe haben kaum noch eine Möglichkeit wirtschaftlich mit Großbetrieben und Discount-Preisen mitzuhalten, überall schreitet das Höfesterben voran. Daher wünschen wir uns bessere Konzepte zur Direktvermarktung von regional erzeugten Lebensmitteln! Insbesondere  Regionalläden bieten die Produkte verschiedener Produzenten, sowohl konventioneller, als aus biologischer Landwirtschaft an und haben den Vorteil, dass große Mengen direkt vermarktet werden können und sich Erzeuger die Lohn- und Betriebskosten teilen. Für die Verbraucher ist es verlockend, ein großes Sortiment regionaler und saisonaler, auch biologisch erzeugten Produkte an einem Ort und zu fairen Preisen mit erweiterten Öffnungszeiten, die ein Markttag oft nicht bieten kann. Eine gute Anbindung der Regionalläden, sogar im Umkreis eines Supermarktes, macht den Besuch für ein größeres Publikum attraktiv.  Ein Projekt, das wir auch im Kreis diskutieren wollen. Unser Kreis ist durch Landwirtschaft geprägt und sollte beginnen, die Produzenten bei solchen innovativen Konzepten zu unterstützen.

Ginge es nach uns, sollten zukünftige Förderprogramme Landwirte dafür entlohnen, wenn sie besonders zum Erhalt der Artenvielfalt, zum Gewässerschutz und Tierschutz beitragen. Dafür spricht sich auch unsere Grüne Landesvorsitzende Ann-Kathrin Tranziska aus: „Die Qualität und das Tierwohl ist auf den Höfen vor Ort zudem weitaus besser zu prüfen, als auf Biohöfen in Südamerika. Zudem bringen die Landwirte den Verbrauchern den Wert der Lebensmittel nahe.“

v.l.n.r. Jens Herrndorff, Svenja Tidow, Ann-Kathrin Tranziska, Christine Herde-Hitziger, Dieter Schott, Hildegard Bedarff, Hauke und Swantje Pein

Der harte Wettbewerb auf dem liberalisierten Milchmarkt trifft Landwirte wie Hauke Pein vom Almthof extrem. Unsere Kreisvorsitzende Hildegard Bedarff kritisierte daher noch einmal das Problem der Milchproduktion: „Bundesweit prüfen Landwirte, ob sie durch eine Umstellung auf Bio-Milch eher einen Gewinn erzielen können. Allerdings sind offenbar die Abnahmekapazitäten der Bio-Molkereien oft bereits erschöpft. Die Landwirte müssen aus der derzeitigen Negativspirale befreit werden, wonach sie immer weiter sinkende Preise für ihre Produkte kompensieren müssen durch eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft. Wir brauchen eine tiefgreifende Reform der Landwirtschaft und neue Absatzstrategien für regionale und biologisch erzeugte Produkte, damit genügend Gewinne erzielt werden und Tiere gut leben können.“

Christine Herde-Hitziger vom Kreisvorstand ergänzt: „Heutzutage eine Milchwirtschaft zu unterhalten, ist ein Abenteuer: der sinkende Marktpreis der Milch, der sich inzwischen bei 30 c. eingependelt hat, liegt unter den Produktionskosten. Da ist ein schwacher Trost, dass die Direktvermarktung ein wesentlich besseres Ergebnis einbringt. Die „Milchtankstelle“ auf dem Hof erbringt täglich 50 l (?). Hinzu kommen die Kosten, die durch Umweltauflagen fällig werden. In diesem Jahr ein neuer Tank aufgrund der Gülleverordnung: 100 00 €. Das Vieh dauerhaft auf die Weide zu bringen, dazu fehlt die Fläche. So sind die 230 Kühe in überdachtem Freiluftstall untergerbacht, in dem sie herumlaufen und sich ihre Nische jeweils suchen können. Sie machen einen friedlichen Eindruck, entspannt und lassen sich gern streicheln. Durch eine regionale Kooperation mit einem anderen Hof werden die Kälber im Freiland aufgezogen. So leistet der Hof einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz.“

 

 

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