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Verschläft Tornesch die Verkehrswende?

Dieser Eindruck drängt sich auf nach der Rücknahme der Radschutzstreifen-Anordnung an der Esinger/Pinneberger Straße aufgrund von lautstarken Protesten mehrerer Bürger*innen, die über 1000 Unterschriften aus ganz Tornesch zusammengebracht haben, und der CDU, die sich zwar die Verbesserung der Radverkehrssituation auf die Fahnen geschrieben hat, aber entgegen Expertenempfehlungen jeden Fortschritt ausbremst.
Während andere Städte und Kommunen die Zeichen der Zeit erkennen und in die Fahrrad-Infrastruktur investieren, gelingt es hier nicht einmal, ein kurzes Stück Fahrradschutzstreifen gegen den erbitterten Widerstand von einigen Gewerbetreibenden und zahlreichen gar nicht Betroffenen durchzusetzen.
Bereits im September hatte der Kreis sich zu dieser Maßnahme entschlossen, und würde nicht alles eine gefühlte Ewigkeit dauern, wäre die Markierung längst Realität. Inzwischen wurde aber so viel Druck aufgebaut, dass die Verantwortlichen auf Kreisebene eingeknickt sind und in der vergangenen Woche die Anordnung kassiert haben.
Für die Radfahrer*innen hat das zur Folge: Um ein gewisses Tempo vorlegen zu können, muss man auf der Fahrbahn fahren – was ja immerhin erlaubt ist -, aber man wird bedrängt und angehupt, und da es ein althergebrachtes, offenbar unumstößliches Recht zum Abstellen eines PKW am Straßenrand in Tornesch gibt, muss man auch ständig parkenden Autos ausweichen, wobei man in Konkurrenz mit ebenfalls überholenden
Autos gerät. Weichen die Radfahrer*innen aber, wie ebenfalls zulässig, auf den Gehweg aus, so können sie eigentlich nur im Schritttempo vorankommen, wenn sie nicht kleine Kinder und Passant*innen mit Kinderwagen oder Gehhilfen bzw. sich selbst gefährden wollen.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir Grüne wollen nicht den Kfz- und Radverkehr gegeneinander ausspielen; wir halten es nur für dringend notwendig, nicht ausschließlich vom Auto aus zu denken und zu planen, sondern alle Verkehrsteilnehmer*innen gleichermaßen im Blick zu haben. Und da haben die Radfahrer*innen einen großen Nachholbedarf!
Radfahren in Tornesch? Nein, danke! Zu wenig Platz, zu wenig Rechte und teilweise unzumutbarer Belag.
Lässt sich daran nicht vielleicht doch etwas ändern? Dazu müssten auch diejenigen lauter ihre Stimme erheben, denen die Fahrradsituation am Herzen liegt. Denn offenbar bekommen vor allem diejenigen Recht, die nicht zu überhören sind.

Autorin: Dagmar Sydow-Graen (Umweltausschussvorsitzende der Stadt Tornesch)

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