HospizPflege

Alltag im Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Pinneberg-Uetersen-Wedel

Jens Herrndorff, unser Direktkandidat zur Bundestagswahl, hat den Hospizdienst in Wedel besucht und einen sachlichen und emotionalen Einblick in den Arbeitsalltag der Mitarbeiterinnen erhalten.

Auch wenn Erkrankung, Versterben und Tod zum Leben gehören, sind sie gesellschaftlich tabuisiert. Das führt dazu, dass viele Hinterbliebene sich in dieser schweren Zeit keine Unterstützung suchen. Der Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst Pinneberg-Uetersen-Wedel und der Verein Kindesglück & Lebenskunst e.V. (KuL) gehören zu den Einrichtungen im Kreis Pinneberg, die Sterbenden und Trauernden zur Seite stehen. Im Gespräch mit Jens Herrndorff, Bundestagsdirektkandidat und Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, erklären Hospizkoordinatorin Dörthe Bräuner und ihre Kollegin Leena Molander ihre Arbeit und ihre Botschaften an unsere Gesellschaft.

„Das Sterben und Trauern ist ein hochgradig tabuisierter Lebensbereich. Viele Menschen kommen nicht von selbst auf die Idee, sich Hilfe zu suchen“, erklärt Dörthe Bräuner. Als Koordinatorin des Hospizdienstes und des Familienhilfevereins KuL kennt sie die Schwierigkeiten, mit denen von Erkrankung betroffene Familien und die Hinterbliebenen Verstorbener konfrontiert sind, sehr gut und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Betroffenen zu unterstützen und das Thema offensiv in die Öffentlichkeit zu bringen: “Wir möchten die öffentliche Wahrnehmung stärken, indem wir zum Beispiel auf Veranstaltungen präsent sind, auf große Unternehmen zugehen und viel Social-Media-Arbeit leisten.“

Der Grüne Bundestagskandidat Jens Herrndorff unterstützt diese Mission von ganzem Herzen: „Zu einem Leben in Würde gehört auch ein Sterben in Würde. Deshalb ist es wichtig, dass qualifizierte Hospizdienste eine bedarfsgerechte und umfängliche, auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasste und auch palliative Begleitung gewährleisten. Das müssen wir politisch unterstützen. Ebenso wichtig ist eine qualifizierte Trauerbegleitung ist und muss daher immer mitgedacht werden: Trauernde Hinterbliebene dürfen nicht mit ihrem Schmerz und den oft gravierenden Folgen für ihr Leben allein gelassen werden.“

Die Fachkräfte in Wedel verstehen, welche Auswirkungen Erkrankung und Verlust eines Familienmitglieds in verschiedenen Konstellationen hat. „Häufig bringt das Versterben eines Familienmitglieds das ganze Familiensystem ins Wanken“, erklärt Trauerbegleiterin Frieda Harmssen. „Jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse, Emotionen und Sorgen. Kinder von versterbenden Eltern oder Geschwistern brauchen eine andere Unterstützung als die Eltern sterbender Kinder oder auch die Witwen und Witwer sterbender Partner.” Der Verein bietet dazu je nach Bedarf Plätze in offenen Gruppen für die Zeit der Erkrankung, für die Zeit der Trauer sowie in Einzelgesprächen an.

Gerade Kinder brauchen eine besonders intensive und sensible Begleitung, wenn eine Bezugsperson erkrankt oder verstirbt oder sie einen anderen nahestehenden Menschen verloren haben. Svenja Büsig, die als Trauerbegleiterin Kindergruppen im Alter von 3 bis 6 Jahren sowie die Jugendlichengruppe von 11 bis 16 Jahren leitet, erzählt, wie sehr ihre Arbeit sie berührt: „Der Alltag wird durch das Versterben eines Familienmitglieds aus der Bahn geworfen. Wir machen hier schöne Dinge mit den Kindern, spielen Spiele, toben und schaffen eine neue Stabilität, wo die alte verloren gegangen ist. Jedoch ist auch Raum für Traurigkeit, Unverständnis, Hoffnungslosigkeit und Wut. Die Kinder unterstützen sich dabei  gegenseitig, weil sie einander verstehen und nicht mehr außen vor sind.“

Politisch müssen einige Weichen gestellt werden, um die Sterbe- und Trauerbegleitung weiter in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken. Kirsten Adomeit, Trauerbegleiterin des Hospizdienstes Wedel, die hauptberuflich bei einer Krankenkasse tätig ist, erklärt: „Die Trauerbegleitung sollte als Leistung ins Sozialgesetzbuch aufgenommen werden. Krankenkassen könnten dann aktiv auf Menschen zugehen und ihnen diese Art der Unterstützung vorschlagen.“

Trauer ist per se keine behandlungsbedürftige Erkrankung. Sie kann sich allerdings zur Krankheit, z.B. einer Depression, entwickeln, sollten Betroffene das Präventionsangebot der Trauerbegleitung nicht nutzen können, da es unter Umständen kein qualifiziertes Angebot gibt bzw. sie darum nicht wissen. Momentan wird Trauerbegleitung nur dann finanziell unterstützt, wenn bereits eine pathologische Störung diagnostiziert wurde.

Dass die Hinterbliebenen Verstorbener besser unterstützt werden müssen, fordert auch Jens Herrndorff: „Die Mitarbeiterinnen des Hospizdienstes und des Vereins KuL leisten hier im Kreis Pinneberg eine unschätzbare Arbeit. Leider stellen wir als Gesellschaft den Präventionsgedanken immer wieder hinten an, das muss aufhören.“ Ebenso stellt es sich mit der präventiven Begleitung einer Familie im Erkrankungsfall eines Elternteils dar, ergänzt Leena Molander.

Viele hilfreiche Präventionsangebote scheitern an mangelnder Finanzierung: „Zum Beispiel die Begleitung durch Verlusterfahrung traumatisierten, geflüchteter Menschen können wir oft nicht leisten, weil kein Budget für einen Dolmetscher da ist. Dabei bräuchten diese unsere Unterstützung ebenso sehr.“ ergänzt Dörthe Bräuner.

Jens Herrndorff stellt nach seinem Besuch fest: „Die Berichte der Mitarbeiterinnen haben meine Überzeugung gestärkt, dass wir als Gesellschaft einen größeren Fokus auf die gegenseitige Unterstützung, Solidarität und ein empathisches Miteinander legen müssen. Ich setze mich dafür ein, dass die richtigen politischen Weichen gestellt werden, um diese wichtige Arbeit zu unterstützen.“

 

 

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